Wanderung entlang des Müchelner Mühlenwanderweges

"Das Geiseltal" erhielt seinen Namen vom Geiselbach. 17 Mühlen hat die Geisel in der Vergangenheit betrieben, ehe ihr Wasser bei Merseburg in den Gotthardtsteich floss. Am Oberlauf des Baches findet man heute noch fünf ehemalige Mühlengebäude.

Die Geiseltalquelle, der Ausgangspunkt der Wanderung. Informationen zur Geiseltalquelle finden Sie hier. - Foto Recknagel

Vom Ort St. Micheln aus, führen in westlicher Richtung verschiedene Rad- und Wanderwege in die Naturschutzgebiete "Müchelner Kalktäler", zum "Hesseltal" und in den "Gleinaer Grund". Wir aber wandern den Lauf der Geisel von der Quelle stadteinwärts,  durch den früheren Wassergarten, dem heute neugestalteten Parkplatz. Von dort geht es entlang der Straße zu einer kleinen Furt mit einer kleinen Brücke über die Geisel, weiter zur Reitergasse. Dann geht es weiter die Straße entlang und man erreicht nach wenigen Metern auf der rechten Seite eine eingefasste Quelle, einer der 12 Apostelquellen. Die Mehrzahl dieser Quellen versorgen die Einwohner der Stadt mit Trinkwasser und nur wenige sprudeln noch zutage.

Foto Wolfram Dittner

Das Quellwasser fließt einer gegenüberliegenden Forellenanlage zu, ehe es in die Geisel mündet. Eine Tafel an den Apostelquellen weist auf die erste Wassermühle entlang des Mühlenweges hin. In der Spring- oder Elbertsmühle war der erste namentlich bekannte Müller 1633 tätig.

Weiter entlang dem Lauf der Straße, vorbei an den Forellenteichen und der Waldhaushohle trifft man auf die zweite Mühle am Geisellauf, die "Floreis- oder Apelmühle". Dieses Gebäude steht auf Grundmauern aus dem 14. Jahrhundert. Die Mühle hatte eine bauliche Besonderheit, sie besaß ein oberschlächtiges und ein unterschlächtiges Mühlrad. Um 1760 war die Mühle ein "Freigut", der Müller brauchte keine Abgaben oder Frondienste leisten. Der letzte Müllermeister, Martin Apel, betrieb sein Handwerk zuletzt mit Elektroenergie noch bis in die 50er Jahre des vorigen Jahrhundert. Die Geisel fließt heute noch unter dem Wohngebäude hindurch.

Foto Kirche

Auf der weiteren Wanderung wird die Brücke überquert und benutzt den links der Geisel entlangführenden "Pastorendamm". Parallel dazu floss einst das Teilstück der Mahlgeisel, welches das Rad der Kirchmühle mit Wasser versorgte. Nachdem man das Pfarrhaus passiert haben, führt ein Steg über die Geisel zur Kirche St. Ulrich, erbaut nach den Plänen des Merseburger Stiftsbaumeisters J. W. Chryselius. Die im Barockstil erbaute Kirche wurde 1795 eingeweiht. Die innere Ausstattung ist stilistisch sehr reizvoll und noch original vorhanden.

Die Erbbegräbnisstätte derer von Helldorff - Foto Thomas Lampe

Auf dem nahegelegenen Friedhof ist die Erbbegräbnisstätte derer von Helldorff zu sehen. Weiterhin zu entdecken sind hier das Wasserschloss, der Barockgarten und der Landschaftspark mit seltenen Nadelholz- und Laubholzarten.

Toller Blick vom Schloss auf den Eingag des Schlossparks und dem Barockgarten mit der Ruine des teehauses - Foto Thomas Lampe

Wandert man weiter am Geisellauf entlang, erreicht man die vierte Mühle, die ehemalige Gutsmühle. Diese hat im Laufe der Zeit ihren Namen und Besitzer oft gewechselt. 1761 fand sie als "Pulvermühle" Erwähnung. Salpeter aus Schächten der Hüttenwende in St. Ulrich gewonnen, wurde hier verarbeitet. 1868 ließ der neue Besitzer der Mühle, Rittmeister von Helldorff, diese abreißen und neu errichten. Von nun an hieß die Mühle auch "Herrenmühle". Der Mühlenbetrieb wurde um 1933 eingestellt.

Die Gutsmühle - Foto Wolfram Dittner

Nun überquert man das alte Geiselbett und erreicht nach wenigen Schritten eine Quelle im Uferbereich des Baches, den "Born". Einwohner holten früher hier Wasser und schworen auf dessen Reinheit und Geschmack. Einhundert Meter bachabwärts führt der Weg wiederum über eine Brücke zum Wohngebiet "Hüttenwende". Wandert man zwischen dem Wirtschaftsgebäude des ehemaligen Rittergutes und dem Ufer der Geisel entlang, bietet sich eine herrliche Ansicht zur Altstadt mit den markanten Türmen von Rathaus und Kirche. Nun wird erneut die Geisel überquert und ist in wenigen Minuten im historischen Stadtkern Müchelns.

Blick vom Schoss auf das ehemalige Rittergut - Foto Thomas Lampe

Die alten DDR-Sprüche am Rittergut Mücheln - Foto Jürgen Krohn

Vom Marktensemble mit seinem prachtvollen Rathaus über den Kirchberg und die Mühlstraße führt der Weg zum letzten noch erhaltenen Mühlengebäude. Diese Mühle ließ 1586 der Baron von Breitenbauch erbauen. Sie bestand aus der Uber- und Untermühle und erhielt ihre Antriebskraft von dem Wasser der Mahlgeisel. Im Jahre 1916 baute der damalige Besitzer Carl Eduard Hohmann die Mühle umfangreich um und stockte sie im Fachwerkstil auf. Beim letzten Müllermeister Karl Homannn klapperte die Mühle mit Elektroantrieb bis zum Jahre 1971.

Von der Geiselbrücke blicken wir auf die ehemalige "Kirchmühle" oder auch "Löwe-Mühle". Über dem Hauseingang findet sich das Wappen derer von Breitenbauch, in dessen Besitz die Mühle bis 1760 war. Nach mehrfachem Wechsel der Eigentümer, gelangte sie 1796 in den Besitz der Familie Löwe. 1904 verunglückte der Müller in der Mühle tödlich. Die Geschäfte wurden von seiner Frau und danach bis in die 60er Jahre des vorigen Jahrhunderts von deren Töchtern weitergeführt. Deshalb hieß die Mühle auch im Volksmund "Weibermühle".

Foto Thomas Lampe

Entlang der Mahlgeisel, welche am Fuße der Mühle wieder zutage tritt, begibt man sich dann in das "Gehüfte" und erreicht wiederum eine Brücke an der Geisel. Vor einem erhebt sich das Wahrzeichen von Mücheln, das 1964 erbaute Viadukt der Eisenbahnstrecke Merseburg - Querfurt mit seinen 7 Bögen und gelangt dann durch den Fußgängertunnel zu den Rad- und Wanderwegen rund um den Geiseltalsee. Genießen Sie den Ausblick auf die Seenlandschaft, man ist am Ziel der Wanderung angelangt. Die Geisel fließt nach wenigen hundert Metern in den größten See Sachsen-Anhalts und dem größten Künstlichen See Deutschlands, dem Geiseltalsee.

Redaktion: Harry Günther

Quelle: Stadt Mücheln

Fotos: Lampe, Dittner, Krohn, Recknagel

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